|
 Die abgelaufene Saison war für den hessischen Floorball besonders erfolgreich. Neben vielen positiven Ereignissen und Ergebnissen gibt es am Ende ein wahres Schmankerl festzustellen - die beste Kleinfeldmannschaft Deutschlands stammt nämlich aus Hessen! Wie der dreifache hessische Meister TSV "Berkersheim" (Frankfurt) seinen DM-Titel erlebt und erkämpfthat, berichten der Kapitän der Frankfurter Robert Kratochvil und der Vize-Präsident des Hessischen Unihockeyverbandes Tobias Jungkurt im Interview mit der Online-Redaktion des HUV: Hallo Tobias, Hallo Robert. Das ganze Hessen gratuliert euch zum Titelgewinn bei den Deutschen KF-Meisterschaften. Jetzt, einige Tage nach diesem Ereignis, könnt ihr hoffentlich alles sachlich Revue passieren lassen. 1) Wie habt ihr also dieses Wochenende in Einzelheiten erlebt? Was bleibt noch lange in der Erinnerung? Robert: Es war ein wirklich spannendes und recht anstrengendes Wochenende. Ist schön, dass so viele Jahre einer Zusammenarbeit und Trainings mit Titel belohnt wurden. :) Tobias: Der Titel war natürlich die Krönung, aber das Besondere an dem Wochenende war das Teamerlebnis. Wie bekannt lebt unser Team von vielen sehr guten Einzelspielern und selten werden wir (zumindest in Hessen) wirklich schwer gefordert. Bei der DM ist das dann schlagartig anders, und wir müssen uns als Team extrem zusammenraufen. Und genau dies ist uns super gelungen. 2) Wie war die Organisation des Finalwochenendes? R: Die Organisation war gut. Das, was mir nicht gefallen hat, hab ich bereits vor Ort diskutiert und hoffe, dass es in der Zukunft auch wirklich von den Organisatoren beachtet wird. Fair-play ist das A und O jeder Sportart, und so soll es auch für immer bleiben. Es ist jedoch ein Dank an die Organisatoren auszurichten, denn es bedeutet viel, viel Arbeit, die man oft als Spieler nicht mitkriegt. T: Hochdahl hat wie schon letztes Jahr eine perfekte DM organisiert. Verpflegung, Fans, Ablauf - ein großes Lob an alle Beteiligten an dieser Stelle! 3) Wie stark waren die Gegner? Wenn ihr die letzjährige DM, wo ihr Bronze geholt habt, und das aktuelle Finalturnier vergleicht, welche Unterschiede an Klasse und Niveau gibt es da festzustellen?R: Alle Gegner waren respektvolle Gegner, es waren ja schließlich die besten des Jahres 2010 da. Ich empfand unsere Gruppe als recht schwierig, aber so denkt, glaub ich, jeder über seine eigene Gruppe. Ich finde, dass wir ein super spannendes Finalturnier geboten haben. Spannend ist es aber immer und das jedes Jahr, egal wer mit wem spielt. Hochdahl hat aber super Fans, die die gesamte Zeit sehr gut unterstützt haben. Unsere Fans waren denen zwar zahlenmäßig wirklich unterlegen, aber mit gleicher Wirkung :) Danke noch einmal an unsere Fans, die extra dafür angereist sind!! DANKE!!!!! T: Das Niveau war im Vergleich zu letztem Jahr meiner Meinung nach etwas schlechter. Mit Nürnberg, Hochdahl und Berkersheim waren zudem die drei stärksten Teams in eine Vorrundengruppe gelost worden. Für die kommenden Jahre würde ich mir wünschen, dass die Teams vorher in zwei Leistungsgruppen sortiert und dann den beiden Vorrundengruppen zugelost werden. 4) Welche Spiele waren besonders schwer?T: Das erste Spiel am Samsatg gegen Hochdahl, welches verloren ging - wir sind einfach keine Frühaufsteher. Vielleicht liegt es aber auch am hohen Durchschnittsalter im Team. Die alten müden Knochen auf Hochtouren zu bringen, dauert bei uns eben inzwischen etwas länger :-) Dann natürlich das Spiel gegen die Nürnberg Nuts um den Einzug ins HF. Wir mussten unbedingt gewinnen, ein Unentschieden hätte nicht gereicht. Es war super  knapp, unser Goalie Waltteri hat uns mehrfach mit herausragenden Paraden gerettet. Und dann natürlich das Finale. Psychologisch hatten wir sicher einen kleinen Vorteil. Das erste Duell ging an Hochdahl und das junge Team um Clemes Rühlemann wollte den Titel unbedingt. Die Fans aus Hochdahl erwarteten das natürlich ebenso. Wir haben dann auch schnell mit 0:2 hinten gelegen, in der zweiten Halbzeit bekamen wir nach dem Ausgleich sofort einen Gegentreffer und lagen wieder hinten. Das Spiel war extrem eng, und man durfte sich keine Fehler leisten. Den Unterschied hat letztendlich die Ausnutzung der Überzahlsituationen gemacht. Wir mussten im Finale zweimal in Unterzahl spielen, Hochdahl konnte diese Chancen nicht für sich verwerten. Die beiden Strafzeiten, die Hochdahl gegen Ende der Partie bekam, konnten wir hingegen für den Ausgleich und eine Minute vor Schluss dann für den Führungstreffer nutzen. Zudem hatten wir über das ganze Spiel immer mindestens 8 Feldspieler im Einsatz. Hochdahl dagegen spielte gefühlt mit nur 5 Spielern obwohl mind. 12 zur Verfügung standen. So schwanden Hochdahl gegen Mitte der zweiten Halbzeit dann doch etwas die Kräfte, und Berkersheim konnte sich durch dauerhaft hohes Lauf- und Spieltempo einen leichten Vorteil erspielen.
5) Wen würdet ihr in eurem Team besonders auszeichnen?
R: Ich würde ganz besonders alle Spieler und das gesamte Team um TSV Berkersheim besonderes auszeichnen!! Denn es war eine Zusammenarbeit jedes Einzelnen von uns - von Verteidigung, Goalie, Stürmer, Fans und Orga und ganz besonders des Vereines TSV Berkersheim an sich, der uns die Vorbereitung mit sehr guten Bedingungen überhaupt ermöglicht hat. Somit ist es mir sehr, sehr wichtig, dass die gesamte Arbeit über das gesamte Jahr gesehen wird! Danke:)
T: Das ist immer schwierig, denn es ist eine Teamsportart. Jeder hat auf seine Weise seinen Teil zum Titel beigetragen. Wie schon zuvor beschrieben hätten wir gegen Nürnberg sicher nicht gewonnen, wenn Waltteri nicht so einen super Tag erwischt hätte. Er hat das ganze WE konstant auf hohem Niveau gespielt. Dann wage ich es mal die Ruhe & Nervenstärke von Jani Matilainen hervorzuheben. Es ist unglaublich, welche Ruhe & Stärke er ausstrahlt. Keiner kontrolliert den Ball so gekonnt wie er. Aber auch er könnte ohne die Unterstützung des Teams nicht so erfolgreich spielen. Wie gesagt, wir sind ein Team und auch als solches aufgetreten.
6) Hat TSVB sich optimal auf das Finalturnier vorbereiten können? Habt ihr euch irgendwelche taktische und technische Sachen ausdenken können? Wie optimal war euer Kader?
R: Ja das haben wir in den Trainings trainiert, aber nicht mehr oder weniger wie alle anderen auch. Wenn man so lange mit allen zusammenspielt, ist es immer optimal:) Schwächen, die von der Tageskondition abhängig sind, gibt es und wird es immer wieder geben. "Verletzte" gibt es ja auch immer
T: Also im Gegenteil zu Hochdahl konnten wir auf den kompletten Kader zurückgreifen und in Bestbesetzung antreten. Auch während des WE gab es glücklicherweise keine verletzungsbedingten Ausfälle. Bezüglich der Vorbereitung... naja, ich sag mal so. Eine optimale zielgerichtete Vorbereitung sieht anders aus ;-) Die DM liegt leider sehr weit hinter den letzten Spieltagen der versch. Ligen. ich persönlich würde mir wünschen, dass die DM deutlich früher stattfindet. Die Pause zwischen Mitte April und Mitte Juni ist zu lang und da ist nach der langen Saison einfach die Luft raus.
7) Es ist kein Geheimnis, dass TSVB in erster Linie von seinen Legionären profitiert. Ihr seid wohl das einizige Team in Deutschland, dass so viele Finnen, Schweden und Tschechen in seinen Reihen hat. Wie kam es dazu, dass so viele Legionäre für Frankfurt spielen? Welche Ergebnisse hättet ihr ohne Legionäre erzielen können? Wie kümmert sich euer Verein um euren Nachwuchs?
R: Das mag sein, aber Frankfurt am Main ist auch eine Internationale Großstadt. Wir sind ein Team und unterstützen es auch in allen Sachen gemeinsam. Solch hypothetische Fragen sind nicht möglich zu beantworten. Denn so wie es im Leben ist, läuft alles immer wieder weiter und das immer mit dem, was sich gerade so anbietet und ereignet. Das Ergebnis dabei ist und bleibt immer ungewiss.
T: He he, ohne die Legionäre hätten wir kein Team stellen können ;-) Die Ursache dafür ist wohl, dass Frankfurt eine internationale Metropole ist und zudem internationales Finanzzentrum. Ein bißchen Glück gehört natürlich auch dazu. Wir arbeiten aber hart daran, die Quote zu verbessern. Im September 2008 sind wir mit 25 Spielern von der SKG Frankfurt zum TSV Berkersheim gewechselt, da der TSV (im Gegensatz zur SKG) uns die Möglichkeit gegeben hat, Kinder- und Jugendteams aufzubauen. In den letzten knapp 2 Jahren haben wir so eine ganze Abteilung aufgebaut und statt einer Herren KF Mannschaft haben wir nun zusätzlich ein Herren GF & Damen KF Team sowie Trainingsgruppen für U7, U11, U13 & U15. Ab der U11 nehmen die Kids auch an den Ligabetrieben teil. Insgesamt zählt die Abteilung Floorball inzwischen ca. 75 Mitglieder. Eine Entwicklung, auf die wir sehr stolz sind.
8) Bereits 2004 war SKG Frankfurt zum ersten Mal deutscher KF-Meister, damals sogar als Ausrichter der Endrunde. 2006 folgten dann Silber und 2008 und 2009 eben Bronze. Welche Spieler von damals sind in dem aktuellen Kader s noch vorhanden?
R: Ich kann mir immer schlecht die Zahlen merken, also keine Ahnung, wann genau es war. Gewiss bleibt die Tatsache, dass wir jetzt seit vielen Jahren daran wieder recht hart arbeiten mussten, um wieder an die Spitze zu kommen.
T: Also die DM hat die SKG meines Wissens nie selbst ausgerichtet, aber ich weiß es nicht genau. Wer 2004 schon dabei war, kann ich nicht sagen, ich bin erst in der Saison 2007/08 dazugekommen.
9) Der Ligabetrieb in Hessen und sogar die Qualifikation in Ludwigshafen waren für euch ein fast selbstverständlicher Durchlauf. In der Hessenliga habt ihr mit 2 Niederlagen und 10 Siegen alle Gegner in Schach gehalten. Beim Qualiturnier in Ludwigshagen habt ihr nicht nur alle Spiele souverän gewonnen, sondern bei 2 Partien sogar über 20 Tore geschossen. Ist es euch nicht langweilig, die ganze Saison lang nur auf das DM-Finale zu warten, weil nur dort seid ihr richtig gefordert?
R: In der Liga, egal wo, ist nie was selbstverständlich und nie was langweilig!!! Wir nehmen alle Gegner ernst! Wer anders handelt, ist zum Scheitern verurteilt. Einmal läuft es besser und mal schlechter. So ist es bei allen Teams und Sportarten der Welt.
T: Natürlich würden wir mehr Konkurrenz in Hessen begrüßen. Mit Kassel ist dieses Jahr ein neues starkes Team dazugekommen, was die Liga sehr belebt hat. Es gibt aber zu der KF Liga in Hessen keine Alternative. Wir hatten seit dem Eintritt bei TSV Berkersheim das große Ziel, den Titel des deutschen Meisters im KF zu holen - das haben wir nun geschafft. Mal sehen, wie es sich in den kommenden Jahren entwickelt.
10) Wie ihr beriets erwähnt habt, spielt TSVB auch im Großfeld-Betrieb. Wie sehen eure Eregbnisse dort aus? Was ist für euch wichtiger - KF oder GF? Welche Zukunftserwartungen habt ihr diesbezüglich?
R: Kann man ja alles in den Tabellen nachlesen Aber so schlecht waren wir ja nicht:) Für mich persönlich ist beides genau so wichtig. Die Richtung sollte vielleicht mehr in Richtung Großfeld gehen, um mehr International mithalten zu können, aber ich finde alle Turnierarten eigenartig und wichtig für Floorball in Deutschland. So hat jede/r Spieler/in die Möglichkeit, für sich das Passende auszusuchen.
T: Wír hatten diese Saison Premiere in der Regionalliga West GF und haben überraschenderweise den zweiten Platz hinter dem ASV Köln belegt. Ein respektables Ergebnis, wenn man bedenkt, dass wir haben gar kein GF trainieren können und dass wir an den Spieltagen oft nur mit 8 Feldspielern angetreten sind.
Ich persönlich werde kommendes Jahr nur noch GF spielen und würde mir wünschen, dass sich der Fokus im TSVB generell hin zum GF entwickelt. Die kommende Saison wird sehr spannend, da die Liga mit insgesamt 10 Teams (davon 3 aus Hessen) sehr bunt wird. Es sind viele neue Teams ertsmalig dabei. ich freu mich schon! 11) Mit 2 Meistertiteln habt ihr jetzt in der "ewigen KF-Tabelle" Sparkasse Weißenfels eingeholt (http://ms.spoma.net/kf_dm_chronik.php), nur SSF Bonn ist bisher noch weit vorne. Was würdet ihr also euren Fans, euren Kollegen aus der Hessenliga und allen potentiellen zukünftigen Floorballern wünschen?R: Tabellen sind und bleiben nur Tabellen. Wichtig ist nur, das man "Fun" am Sport hat. Jedes Team kann es an die Spitze schaffen. Eins kann ich mit Sicherheit sagen - es werden nicht immer die gleichen sein und bleiben. So ist es im Leben:) Aber darum geht es ja beim Sport, und beim Floorball ist es ja nicht anders. IvVerletzungsarm und nicht kostenaufwendig. So hätten alle Teams in Deutschland es einfacher mit Nachwuchs, und Floorball würde es sehr gut tun:). Aber da müssen wir noch alle wohl ein wenig Arbeit investieren müssen. Also lasst uns bitte alle ein wenig mehr für Floorball Deutschland machen:) Danke!! T: ... Hm, SKG ist nicht TSVB. Und mit Weißenfels und Bonn möchte ich mich uns auch nicht vergleichen. Wenn die ganzen Bundesligisten ihre Jungs auch im KF einsetzen würden... Man bekommt den KF Titel sicher nicht geschenkt, aber man sollte die Kuh im Dorf lassen. Für den Floorball in Hessen ist der DM Titel sicher sehr gut. Durch unsere Leistungen in der Regionalliga West GF und nicht zu vergessen dem Titel der Damen des TSVB in der Regionlalliga West KF, weiß man inzwischen auch im Westen, dass in Hessen erfolgreich Floorball gespielt wird. Neben der Weiterentwicklung der bstehenden Abteilungen und Vereinen wäre es super wichtig, dass deutlich mehr Vereine in Hessen Floorball für sich entdecken. Das wird allerdings nicht von alleine passieren. Wir haben noch viel Arbeit vor uns! Ich kann nur jeden Floorballer dazu ermuntern, sich zu engagieren und Gruppen oder AGs in Schulen und Vereinen zu übernehmen. Nur wenn wir die Kinder für unseren Sport gewinnen, haben wir eine Zukunft. Wir danken euch für dieses Gespräch, wir gratulieren eurem Team nochmals vom ganzen Herzen zu diesem wunderschönen Titel. Wir sehen uns in der nächsten Saison im Ligabetrieb wieder und später hoffentlich aus einem ähnlichen Anlass bei den DM )Floorball-Auskunft: Robert KratochvilGeb: 24.6.1977 Ostrava (Tschechien), Kapitän des TSV Berkersheim (Frankfurt) Tobias JungcurtGeb: 12.11.1975 in Berlin - Erstkontakt mit Floorball während des Zivildienstes 1995/96 im Ev. Jugendzentrum Erlensee - 1997 Gründer der Unihockeygruppe an der FH Frankfurt (existiert bis heute) - 2005 erste Turnierteilnahme mit der FH Frankfurt (Schriese Open 2005) - 2007/08 erste Teilnahme in der KF Liga des BWUV mit der SKG Frankfurt - seit Herbst 2008 aktiv für den TSV Berkersheim - Vizepräsident des Floorball Verbands Hessen (seit Gründung 03/2008) Fotos: TSV Berkersheim, http://www.floorball-frankfurt.de Interview: Dimitri Sendetski (C) Juli 2010
|